Wie aktuell viele Medien berichten, könnte Google in nächster Zeit den Video-Codec VP8 als Open Source veröffentlichen.

Als Google im Februar diesen Jahres die Firma On2 Technologies für das stolze Sümmchen von 134 Millionen Dollar gekauft hat, pfeiften die ersten Spatzen von den Dächern, dass Google womöglich On2s Produkt den Videocodec VP8 als Open Source veröffentlichen könnte.

Warum eigentlich?

H.264

H.264 ist der aktuelle Video- und Industriestandard, wenn es um Videokompression geht. Sei es Blue-ray, höchauflösende Fernsehübertragung mittels DVB-S2, Videokonferenzen, oder Video- und Digitalkameras. Alle verwenden sie als Videocodec H.264. Und seit einiger Zeit auch der baldige Internetstandard HTML5.

Doch H.264 hat einen großen Nachteil. Da es durch Patente geschützt ist, wird für die Benutzung eine recht hohe Gebühr verlangt. Würde Mozilla in ihrem Browser Firefox H.264 implementieren, würden Lizenzkosten in Höhe von fünf Millionen Dollar anfallen. Im Gegensatz zu Google Chrome, Safari und dem noch nicht veröffentlichten Internet Explorer 9, die allesamt den HTML5-Tag <video> in Verbindung mit H.264 unterstützen, setzt Firefox lediglich auf die unterlegene Open Source Variante Theora. Und Theora basiert auf dem Codec VP3.2 von On2. Womit wir beim Thema wären.

VP8

Wie der Weblog NewTeeVee (um ehrlich zu sein, habe ich noch nie etwas von denen gehört) gestern berichtete - auf den sich sämtliche Medienberichte stützen - plant Google auf der Entwicklerkonferenz Google I/O VP8 als Open Source Videocodec zu veröffentlichen. Wer allerdings diese mysteriösen Quellen (multiple sources) sein sollen, wird natürlich nicht erwähnt. Ob es jetzt nur wirklich ein Gerücht ist und eine geglückte SEO-Aktion, kann aktuell nicht gesagt werden. Jedoch würde es nur das bestätigen, was sowieso schon viele seit der Übernahme von On2 Technologies denken.

Und was hätte Google nun konkret von VP8? Die Lizenzkosten dürten für einen so großen Konzern nun wirklich Peanuts sein.

Open Source passt zu Googles aktueller Einstellung. Google setzt nicht nur selbst Open Source Software ein, sondern engagiert sich in seinem Google Sommer of Code für Open Source Projekte. Zudem gibt es mittlerweile viele Produkte, die als Closed Source angefangen und hinterher von Google als Open Source veröffentlicht wurden. Die Programmiersprache Go, Chromium (Google Chrome), RE2, Remail, um nur einige Projekte und Produkte zu nennen.

Und warum sollte nicht auch VP8 dazu gehören? Google würde sich wiedermal in einen für sie relativ neuen Bereich nach weit oben katapultieren. Also Google ankündigte Google Maps als kostenlose Navigationssoftware für Handys herauszubringen, kann sich jeder sicherlich denken, wie die Aktienkurse von Navigon, Garmin und Co reagiert haben ...

Google würde mit VP8 mal wieder mit einem Schlag einen neuen (Open Source) Standard schaffen. Über kurz oder lang würde Ogg Theora durch VP8 in der Hintergrund geschoben, wenn nicht sogar ersetzt werden. Videoportale wie YouTube, Vimeo und Co würden ganz schnell bei HTML5 auf VP8 setzen und H.264 hätte einen richtig starken Konkurrenten. Und Konkurrenz belebt bekannterweise das Geschäft. Ob sich VP8 allerdings auch in der Industrie durchsetzen und soviel Akzeptanz wie H.264 finden wird, dürfte auch dann fraglich bleiben.

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